Was hat CSR mit Ethik zu tun?

Was hat CSR mit Ethik zu tun?

Mit dem Einzug des Konzepts der CSR ist auch die Debatte über die Ethik in Unternehmen neu entbrannt. Auch wenn das Begriffspaar Unternehmensethik sich für den einen oder anderen von vornherein gegenseitig ausschließen mag, so sind doch die Menschen, die in und für Unternehmen arbeiten, bewusst oder unbewusst tagtäglich mit ethischen Fragen konfrontiert. Das kommt spätestens dann zum Tragen, wenn das eigene Gewissen im Rahmen eines Entscheidungsfindungsprozesses angestrengt wird – denn es geht immer um die große Frage, ob richtig oder falsch.

Nicht selten lehnt das eigene Gewissen aus moralischen Erwägungen eine bestimmte Handlung ab, während die unternehmerische Logik, aufgebaut auf gewinnorientierten Algorithmen, die Handlung einfordert. Folgt man dann in einem solchen Falle gegen sein Gewissen zugunsten der ökonomischen „Vernunft“, wird in der Kommunikation dennoch die vermeintliche Moralität dieser Entscheidung zur Begründung vorgeschoben. So hört man oft: „Zur Sicherung unserer Arbeitsplätze sind wir gezwungen …“ Ein klassisches ethisches Dilemma, das sich bei weitem nicht nur auf den Wertekonflikt zwischen Gewinn und Moral als vermeintlichen Gegensatz beschränkt, sondern auch auf moralischer Ebene anzutreffen ist, d. h. auch wenn „Gutes“ mit „Gutem“ in Konflikt gerät. Die Moralität, die sich auf einem bestimmten Normen-, Werte- und Glaubensverständnis in einem sozialen Prozess für den Einzelnen als richtig oder falsch erschließt, sucht in der Ethik eine gemeinsame Grundlage. So gehen viele Unternehmen dazu über, ethische Prinzipien und Regeln, d. h. Antworten auf die Frage richtig oder falsch, als gemeinsame Handlungsnormen festzulegen. Das ist durchaus vergleichbar mit Geboten und Verboten, die man von Religionen kennt.

Hier sind die Handlungsnormen konkret festgelegt. Aber hier wird auch die Problematik deutlich, ethische Grundsätze für ein Unternehmen zu formulieren, insbesondere dann, wenn mehrere Kulturkreise und Glaubensbekenntnisse adressiert werden und diese sich in gemeinsamen ethischen Leitbildern widerspiegeln sollen. Letztlich ist das Normen- und Werteverständnis weltweit zu unterschiedlich, als dass man es auf einen gemeinsamen Ethikkodex reduzieren könnte, auch wenn es die zunehmende Globalisierung im Grunde einfordert und es das internationale Zusammenspiel immens erleichtern würde. Dennoch spielt Ethik für Unternehmen eine zentrale Rolle, um sowohl ein tieferes Verständnis für die Rolle des Einzelnen im Unternehmen als auch die Rolle des Unternehmens in der Gesellschaft zu gewinnen. Erst mit dieser Auseinandersetzung sind wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Begreift man die Übernahme von Verantwortung als Teil eines Wertekanons, was das Konzept der CSR mitunter vorsieht, ist es ohnehin unumgänglich, sich mit Ethik näher auseinanderzusetzen. Vor allem dann, wenn man die unterschiedlichen Interessen der „rechenschaftsfordernden Instanzen“ verstehen und ihnen adäquat begegnen will. Doch ein moralischer Anspruch wiegt schwer und wirkt oftmals belehrend. Er lädt nicht gerade ein zum Fröhlichsein. „Mag sie [die Moral] seine [dem Geist] größte Lehrmeisterin sein, so ist sie doch seine Spielverderberin.“ Das kann bei dem einem oder anderen auch Abwehrreflexe hervorrufen, was bis zum Vorwurf der Heuchelei reichen kann. Hier liegt die besondere Herausforderung der Kommunikation, dieses Vorurteil zu entkräften.

Auszug aus meinem Buch:
Verantwortliche Unternehmensführung überzeugend kommunizieren, Strategien für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit von Bernd Lorenz Walter, Springer-Gabler Verlag, ISBN: 9783834924353, S. 37/38

Als Softcover, ebook und als Zusammenfassung bei getabstract erhältlich.

Siehe auch: “Dimensions of CSR communication” on my YouTube Channel

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